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Beschreibung
WinterkaltSteven Plodowski wunderte sich gewaltig, als ihm die bulligen Sicherheitsleute den Zugang verwehrten. »Ich bin doch ein Kommissar, darf überallhin!« Er blaffte den Sicherheitsmann missgelaunt [...] die Antwort war knapp und zackig. »Hier nicht! Selbst der Papst gilt bei uns als Sicherheitsrisiko.« Der Blick des Beamten streifte die hohen Sicherheits-zäune, die das Werksgelände umfingen. Gerade mal dreißig Autominuten südlich von Ravensburg lag die massige Ansammlung von strahlendweißen Fabrikhal-len an der Gemeindegrenze einer kleinen oberschwäbi-schen Stadt. Ausgedehnte Fichtenwälder zogen sich hinter dem Gelände die Hänge hoch. Dem Kommissar schien es, abseits von Ravensburg in einer vollkommen anderen Welt gelandet zu sein. Diese harten Kontraste zwischen Industriekultur und reinster Natur entwickel-ten eine ungewöhnliche Szenerie. Er wandte sich wieder dem bulligen Wachmann zu. »Und dann gibt es einen Toten? Wie geht das? Einen Toten dürfte es doch nicht geben, bei so viel Hochsi-cherheit, könnte man meinen.«Kalter Nieselregen benetzte an diesem Morgen im März seinen beinahe kahl geschorenen Schädel. Unge-duldig schaute er dem Pförtner hinter der Panzerglas-scheibe zu, wie dieser behäbig mehrere Formulare aus-füllte. »Geht es nicht schneller? Ich muss zum Tatort!«Ein halbes Dutzend dunkelgekleideter Sicherheitsbeam-ter tummelte sich an der Eingangspforte. »Best Secure« prangte auf deren gut wattierten Jacken. Plodowski zog unwillkürlich seinen dünnen Trench-coat enger zusammen. Es war zu früh gewesen, als der Anruf ihn erreichte, um über korrekte Kleidung an ei-nem jener matschig kalten Wintertage nachzudenken. Tage, an denen man zu vergessen schien, dass es je ei-nen Sommer gegeben hatte. Überraschend für den März. Nebel waberte durchs Schussental. Einfach nur nass grau. »Gehen Sie nach hinten in Halle 11«, knackte es metal-lisch aus dem Lautsprecher. In der Luke vor ihm tauchte ein Besucherausweis auf. Trotzig nahm Steven das zerknitterte Papier heraus und pinnte es sich an seine Jacke. Summend öffnete sich die schwere Sicherheitsschleuse.»Wartet, euch werde ich es noch heimzahlen«, schwor sich ein in seiner Ehre gekränkter Beamter. In Ravens-burg wäre das nicht passiert. Doch er nickte nur stumm und folgte den zwei bulligen Kerlen, die sich links und rechts von ihm [...] überquerten einen kleinen Platz hinter den Gittern. Ein grünes Schild mit weißen Pfeilen verdeutlichte, dass sich hier in Gefahrensituationen der Sammelplatz be-fand. Kleine Wasserlachen bildeten sich auf dem fri-schen Teer. Das Licht der Laternen schimmerte in dem kühlen Nass. Die zu dünnen Lederschuhe sogen die Feuchtigkeit und Kälte in Sekunden in sich auf. Neidvoll schielte Steven auf die dicken Springerstiefel der Wach-leute. Mit seinen knapp 1,80 m Größe wirkte Steven Plodowski klein neben den bulligen Typen. Das Tor des nächstgelegenen Gebäudes öffnete sich und nahm die kleine Gruppe in sich auf. Erstaunt blickte der Kommissar im Gewirr der mit haushohen Maschi-nen vollgestopften Werkshalle umher. »Wo sind die Menschen?« In Gedanken begann er die gigantischen Roboteranlagen zu zählen. Es mussten mehr als sechzig derer sein, die sich in der zweihundert bis dreihundert Meter langen Halle in exakter Reihen-folge formierten. Das Zischen und Fauchen der Unge-tüme konnte einschüchtern, zumal nicht zu sehen war, was sich hinter den Schutzplatten der Maschinen alles abspielte. »Haben die Pause?«Seine Begleiter lachten. »Pausen gibt es hier nicht. Die-se Arbeiter hier brauchen so etwas nicht. Das ist alles voll automatisiert.« Wie von Geisterhand lösten sich zur Bestätigung aus den riesigen Regalen an den hinteren Wänden überdi-mensionale Metallstücke, wurden in die Produktions-straße eingeführt und tauchten nach gut zwanzig Me-tern wieder als fertige Produkte auf. Dazwischen zisch-te, funkte und fräste es an eng aufeinanderfolgenden Arbeitsstationen. Roboterarme hoben, schoben, fixierten und platzierten unermüdl
WinterkaltSteven Plodowski wunderte sich gewaltig, als ihm die bulligen Sicherheitsleute den Zugang verwehrten. »Ich bin doch ein Kommissar, darf überallhin!« Er blaffte den Sicherheitsmann missgelaunt [...] die Antwort war knapp und zackig. »Hier nicht! Selbst der Papst gilt bei uns als Sicherheitsrisiko.« Der Blick des Beamten streifte die hohen Sicherheits-zäune, die das Werksgelände umfingen. Gerade mal dreißig Autominuten südlich von Ravensburg lag die massige Ansammlung von strahlendweißen Fabrikhal-len an der Gemeindegrenze einer kleinen oberschwäbi-schen Stadt. Ausgedehnte Fichtenwälder zogen sich hinter dem Gelände die Hänge hoch. Dem Kommissar schien es, abseits von Ravensburg in einer vollkommen anderen Welt gelandet zu sein. Diese harten Kontraste zwischen Industriekultur und reinster Natur entwickel-ten eine ungewöhnliche Szenerie. Er wandte sich wieder dem bulligen Wachmann zu. »Und dann gibt es einen Toten? Wie geht das? Einen Toten dürfte es doch nicht geben, bei so viel Hochsi-cherheit, könnte man meinen.«Kalter Nieselregen benetzte an diesem Morgen im März seinen beinahe kahl geschorenen Schädel. Unge-duldig schaute er dem Pförtner hinter der Panzerglas-scheibe zu, wie dieser behäbig mehrere Formulare aus-füllte. »Geht es nicht schneller? Ich muss zum Tatort!«Ein halbes Dutzend dunkelgekleideter Sicherheitsbeam-ter tummelte sich an der Eingangspforte. »Best Secure« prangte auf deren gut wattierten Jacken. Plodowski zog unwillkürlich seinen dünnen Trench-coat enger zusammen. Es war zu früh gewesen, als der Anruf ihn erreichte, um über korrekte Kleidung an ei-nem jener matschig kalten Wintertage nachzudenken. Tage, an denen man zu vergessen schien, dass es je ei-nen Sommer gegeben hatte. Überraschend für den März. Nebel waberte durchs Schussental. Einfach nur nass grau. »Gehen Sie nach hinten in Halle 11«, knackte es metal-lisch aus dem Lautsprecher. In der Luke vor ihm tauchte ein Besucherausweis auf. Trotzig nahm Steven das zerknitterte Papier heraus und pinnte es sich an seine Jacke. Summend öffnete sich die schwere Sicherheitsschleuse.»Wartet, euch werde ich es noch heimzahlen«, schwor sich ein in seiner Ehre gekränkter Beamter. In Ravens-burg wäre das nicht passiert. Doch er nickte nur stumm und folgte den zwei bulligen Kerlen, die sich links und rechts von ihm [...] überquerten einen kleinen Platz hinter den Gittern. Ein grünes Schild mit weißen Pfeilen verdeutlichte, dass sich hier in Gefahrensituationen der Sammelplatz be-fand. Kleine Wasserlachen bildeten sich auf dem fri-schen Teer. Das Licht der Laternen schimmerte in dem kühlen Nass. Die zu dünnen Lederschuhe sogen die Feuchtigkeit und Kälte in Sekunden in sich auf. Neidvoll schielte Steven auf die dicken Springerstiefel der Wach-leute. Mit seinen knapp 1,80 m Größe wirkte Steven Plodowski klein neben den bulligen Typen. Das Tor des nächstgelegenen Gebäudes öffnete sich und nahm die kleine Gruppe in sich auf. Erstaunt blickte der Kommissar im Gewirr der mit haushohen Maschi-nen vollgestopften Werkshalle umher. »Wo sind die Menschen?« In Gedanken begann er die gigantischen Roboteranlagen zu zählen. Es mussten mehr als sechzig derer sein, die sich in der zweihundert bis dreihundert Meter langen Halle in exakter Reihen-folge formierten. Das Zischen und Fauchen der Unge-tüme konnte einschüchtern, zumal nicht zu sehen war, was sich hinter den Schutzplatten der Maschinen alles abspielte. »Haben die Pause?«Seine Begleiter lachten. »Pausen gibt es hier nicht. Die-se Arbeiter hier brauchen so etwas nicht. Das ist alles voll automatisiert.« Wie von Geisterhand lösten sich zur Bestätigung aus den riesigen Regalen an den hinteren Wänden überdi-mensionale Metallstücke, wurden in die Produktions-straße eingeführt und tauchten nach gut zwanzig Me-tern wieder als fertige Produkte auf. Dazwischen zisch-te, funkte und fräste es an eng aufeinanderfolgenden Arbeitsstationen. Roboterarme hoben, schoben, fixierten und platzierten unermüdl
Details
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Belletristik, Romane & Erzählungen
Rubrik: Belletristik
Medium: Taschenbuch
Inhalt: 356 S.
ISBN-13: 9783981060454
ISBN-10: 3981060458
Sprache: Deutsch
Einband: Kartoniert / Broschiert
Autor: Paul, Steinbeck
Auflage: 3/2021
Hersteller: Sparkys Edition Verlag
Kommunikation Romer
Verantwortliche Person für die EU: Sparkys Edition Verlag Kommunikation Romer, Hubert Romer, Zu den Schafhofäckern 134, D-73230 Kirchheim unter Teck, hromer@sparkys-edition.de
Maße: 190 x 125 x 23 mm
Von/Mit: Steinbeck Paul
Erscheinungsdatum: 15.08.2021
Gewicht: 0,393 kg
Artikel-ID: 134979216