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Beschreibung
1 Einleitung

1996 veröffentlichte John Perry Barlow (vgl. 2013: online) seine Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace. Die ersten Zeilen lauten:

»Governments of the Industrial World, you weary giants of flesh and steel, I come from Cyberspace, the new home of Mind. On behalf of the future, I ask you of the past to leave us alone. You are not welcome among us. You have no sovereignty where we gather.
We have no elected government, nor are we likely to have one, so I address you with no greater authority than that with which liberty itself always speaks. I declare the global social space we are building to be naturally independent of the tyrannies you seek to impose on us. You have no moral right to rule us nor do you possess any methods of enforcement we have true reason to fear.«

Barlow schrieb das gleichermaßen überzogene wie sympathische Manifest als Reaktion auf den »Telecommunication Reform Act«, der erstmals das Internet (de-) regulierte. Die Warnung an die müden Giganten aus Fleisch und Stahl ist aber gleichzeitig eine schöne Illustration einiger der zentralen Themen des vorliegenden Buches. Da wäre zunächst die Gegenüberstellung von Internet und Gesellschaft, beziehungsweise der alten und der neuen Zeit. Während Barlow die Gegensätze zwischen beiden Welten hervorhebt, geht diese Arbeit davon aus, dass die Unterschiede, aber gerade auch die Gemeinsamkeiten im Sinne einer Verbindung der zwei Sphären bedeutsam sind. Schließlich sind die User noch immer ganz körperliche Wesen und damit unweigerlich in der physischen Welt verhaftet. Weiter schreibt Barlow von Globalität, Egalität, Freiheit und Autonomie als maßgebliche Eigenschaften des Cyberspace, der neuen Heimat des Geistes. Dies sind ohne Frage Ideale, die von den frühen Webpionieren in die technische Architektur des Web eingefügt worden sind. Interessant ist nun aber, inwieweit die massenhafte Internetkommunikation noch immer im Sinne der Erfinder und Erfinderinnen ist. Diese technisch-mediale Dimension soll auch deshalb im Folgenden betrachtet werden, weil sie (anscheinend) so stark von bisher bekannten Kommunikationsformen und -medien abweicht. Zum dritten lässt sich aus dem oben stehenden Zitat ablesen, dass dem Internet offensichtlich eine bestimmte Selektivität zugrunde liegt. Während manche Elemente des Politischen (die Tyrannei der gewählten Regierungen) gerade keinen Weg ins Web finden, ist die Autorität der Freiheit ein wichtiges Element der Web-Kommunikation. Etwas allgemeiner gesprochen soll es im Folgenden auch darum gehen, welche gesellschaftlichen Kommunikationen über das Internet realisiert werden und welche nicht.

Grundlegend ist ein Leben ohne das Internet heute vielerorts nicht mehr vorstellbar. Obwohl das Web erst seit gut zehn Jahren eine nennenswerte Zahl von Usern hat, verursachte es bisher tief greifende Veränderungen in nahezu allen Bereichen der Gesellschaft. Und das ist nur der Anfang der Geschichte. Im Vergleich zur Gutenberg-Galaxis (McLuhan 1968; zuerst 1962) und dem Zeitalter der elektronischen Medien (vgl. Castells 2004 zur McLuhan-Galaxis) ging die Entwicklung der digitalen Medien äußerst rasant vonstatten. So weisen zum einen verschiedene quantitative Kennziffern, wie die Zahl an verfügbaren Webseiten oder die Menge an internetfähigen Endgeräten, für die Turing-Galaxis (vgl. Coy 1995) ein fast schon unglaubliches Wachstum aus. Zum anderen deuten sich qualitative Veränderungen für wichtige Bereiche der Gesellschaft an.

Ein viel zitiertes Beispiel ist in diesem Zusammenhang der Wandel im Verhältnis zwischen Produzierenden und Konsumierenden, wie er etwa bei Crowdsourcing-Phänomenen (vgl. Papsdorf 2009) oder im Rahmen des partizipativen Journalismus (vgl. Neuberger 2009) zu finden ist. Es ändern sich Rollenverhältnisse, die Reichweite von Kommunikationen und damit von sozialen Zusammenhängen oder die Taktung von medienvermitteltem Handeln. Ganze Wirtschaftszweige entstehen binnen weniger Jahre, während andere drastisch an

1 Einleitung

1996 veröffentlichte John Perry Barlow (vgl. 2013: online) seine Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace. Die ersten Zeilen lauten:

»Governments of the Industrial World, you weary giants of flesh and steel, I come from Cyberspace, the new home of Mind. On behalf of the future, I ask you of the past to leave us alone. You are not welcome among us. You have no sovereignty where we gather.
We have no elected government, nor are we likely to have one, so I address you with no greater authority than that with which liberty itself always speaks. I declare the global social space we are building to be naturally independent of the tyrannies you seek to impose on us. You have no moral right to rule us nor do you possess any methods of enforcement we have true reason to fear.«

Barlow schrieb das gleichermaßen überzogene wie sympathische Manifest als Reaktion auf den »Telecommunication Reform Act«, der erstmals das Internet (de-) regulierte. Die Warnung an die müden Giganten aus Fleisch und Stahl ist aber gleichzeitig eine schöne Illustration einiger der zentralen Themen des vorliegenden Buches. Da wäre zunächst die Gegenüberstellung von Internet und Gesellschaft, beziehungsweise der alten und der neuen Zeit. Während Barlow die Gegensätze zwischen beiden Welten hervorhebt, geht diese Arbeit davon aus, dass die Unterschiede, aber gerade auch die Gemeinsamkeiten im Sinne einer Verbindung der zwei Sphären bedeutsam sind. Schließlich sind die User noch immer ganz körperliche Wesen und damit unweigerlich in der physischen Welt verhaftet. Weiter schreibt Barlow von Globalität, Egalität, Freiheit und Autonomie als maßgebliche Eigenschaften des Cyberspace, der neuen Heimat des Geistes. Dies sind ohne Frage Ideale, die von den frühen Webpionieren in die technische Architektur des Web eingefügt worden sind. Interessant ist nun aber, inwieweit die massenhafte Internetkommunikation noch immer im Sinne der Erfinder und Erfinderinnen ist. Diese technisch-mediale Dimension soll auch deshalb im Folgenden betrachtet werden, weil sie (anscheinend) so stark von bisher bekannten Kommunikationsformen und -medien abweicht. Zum dritten lässt sich aus dem oben stehenden Zitat ablesen, dass dem Internet offensichtlich eine bestimmte Selektivität zugrunde liegt. Während manche Elemente des Politischen (die Tyrannei der gewählten Regierungen) gerade keinen Weg ins Web finden, ist die Autorität der Freiheit ein wichtiges Element der Web-Kommunikation. Etwas allgemeiner gesprochen soll es im Folgenden auch darum gehen, welche gesellschaftlichen Kommunikationen über das Internet realisiert werden und welche nicht.

Grundlegend ist ein Leben ohne das Internet heute vielerorts nicht mehr vorstellbar. Obwohl das Web erst seit gut zehn Jahren eine nennenswerte Zahl von Usern hat, verursachte es bisher tief greifende Veränderungen in nahezu allen Bereichen der Gesellschaft. Und das ist nur der Anfang der Geschichte. Im Vergleich zur Gutenberg-Galaxis (McLuhan 1968; zuerst 1962) und dem Zeitalter der elektronischen Medien (vgl. Castells 2004 zur McLuhan-Galaxis) ging die Entwicklung der digitalen Medien äußerst rasant vonstatten. So weisen zum einen verschiedene quantitative Kennziffern, wie die Zahl an verfügbaren Webseiten oder die Menge an internetfähigen Endgeräten, für die Turing-Galaxis (vgl. Coy 1995) ein fast schon unglaubliches Wachstum aus. Zum anderen deuten sich qualitative Veränderungen für wichtige Bereiche der Gesellschaft an.

Ein viel zitiertes Beispiel ist in diesem Zusammenhang der Wandel im Verhältnis zwischen Produzierenden und Konsumierenden, wie er etwa bei Crowdsourcing-Phänomenen (vgl. Papsdorf 2009) oder im Rahmen des partizipativen Journalismus (vgl. Neuberger 2009) zu finden ist. Es ändern sich Rollenverhältnisse, die Reichweite von Kommunikationen und damit von sozialen Zusammenhängen oder die Taktung von medienvermitteltem Handeln. Ganze Wirtschaftszweige entstehen binnen weniger Jahre, während andere drastisch an

Details
Erscheinungsjahr: 2013
Fachbereich: Medienwissenschaften
Genre: Medienwissenschaften, Recht, Sozialwissenschaften, Wirtschaft
Rubrik: Wissenschaften
Medium: Taschenbuch
Inhalt: 350 S.
ISBN-13: 9783593399713
ISBN-10: 3593399717
Sprache: Deutsch
Einband: Paperback
Autor: Papsdorf, Christian
Auflage: 1/2013
Hersteller: Campus Verlag in der Beltz Verlagsgruppe
GmbH & Co. KG
Verantwortliche Person für die EU: Beltz Verlagsgruppe GmbH & Co. KG, Werderstr. 10, D-69469 Weinheim, info@campus.de
Maße: 213 x 142 x 23 mm
Von/Mit: Christian Papsdorf
Erscheinungsdatum: 10.09.2013
Gewicht: 0,442 kg
Artikel-ID: 105932384

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