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Beschreibung
Im Mittelalter, so sagt man, haben die Menschen in einem unvorstellbaren Niedergang der antiken Kultur auch jedes Wissen von den antiken Errungenschaften verloren. Dies beträfe auch das geographische Wissen und das Wissen um die Kugelgestalt der Erde, an dem die Kirche beispielsweise kein Interesse mehr gehegt habe. Tatsächlich verhielt es sich in der Geschichte jedoch vollkommen anders: Gerade die katholische Kirche, die als Institution ja eine großräumig wirksame Hinterlassenschaft des Römischen Reiches war, bediente sich des geographischen, astronomischen und kosmologischen Wissens der Antike als Element des Herrschaftswissens. Zudem hätte sich das Christentum bei den gebildeten Eliten der Griechen und Römer niemals durchsetzen können, wenn es in Fragen der Interpretation der von allen erfahrbaren Welt hinter den Stand der Antike zurückgefallen wäre. Folgerichtig treffen wir gerade bei Kirchenvätern wie Augustinus und christlichen Intellektuellen wie Hildegard von Bingen oder Thomas von Aquin auf eine eindeutige lateinische Begrifflichkeit hinsichtlich der Form der Erde: Es ist bei Augustinus die Rede von der kugelförmigen Masse (moles globosa), die Gott bei der Schöpfung der Erde in den Händen gehalten habe, oder vom sandigen Globus (arenosus globus), den Hildegard von Bingen als das Zentrum des Universums beschreibt. Andere Autoren des Mittelalters versuchen, diesen lateinischen Begriffen noch volkssprachliche beiseite zu stellen und so treffen wir frühzeitig auf Begriffe wie "Ball - palla - pelota", "Eidotter - yolke - yema de huevo" und "Apfel - apple - pomme", wenn es darum geht, die Gestalt der Erde im sprachlichen Bild zu erfassen. Es gibt also keinen Grund, dem Mittelalter die Erdscheibentheorie zuzuweisen und es stellt sich zum Schluss heraus, dass diese ein wissenschaftsgeschichtlicher Mythos ist, der in der Neuzeit gebildet wurde, um die Überlegenheit der eigenen Zeit gegenüber dem ,finsteren' und ,dunklen' Mittelalter zu behaupten.
Im Mittelalter, so sagt man, haben die Menschen in einem unvorstellbaren Niedergang der antiken Kultur auch jedes Wissen von den antiken Errungenschaften verloren. Dies beträfe auch das geographische Wissen und das Wissen um die Kugelgestalt der Erde, an dem die Kirche beispielsweise kein Interesse mehr gehegt habe. Tatsächlich verhielt es sich in der Geschichte jedoch vollkommen anders: Gerade die katholische Kirche, die als Institution ja eine großräumig wirksame Hinterlassenschaft des Römischen Reiches war, bediente sich des geographischen, astronomischen und kosmologischen Wissens der Antike als Element des Herrschaftswissens. Zudem hätte sich das Christentum bei den gebildeten Eliten der Griechen und Römer niemals durchsetzen können, wenn es in Fragen der Interpretation der von allen erfahrbaren Welt hinter den Stand der Antike zurückgefallen wäre. Folgerichtig treffen wir gerade bei Kirchenvätern wie Augustinus und christlichen Intellektuellen wie Hildegard von Bingen oder Thomas von Aquin auf eine eindeutige lateinische Begrifflichkeit hinsichtlich der Form der Erde: Es ist bei Augustinus die Rede von der kugelförmigen Masse (moles globosa), die Gott bei der Schöpfung der Erde in den Händen gehalten habe, oder vom sandigen Globus (arenosus globus), den Hildegard von Bingen als das Zentrum des Universums beschreibt. Andere Autoren des Mittelalters versuchen, diesen lateinischen Begriffen noch volkssprachliche beiseite zu stellen und so treffen wir frühzeitig auf Begriffe wie "Ball - palla - pelota", "Eidotter - yolke - yema de huevo" und "Apfel - apple - pomme", wenn es darum geht, die Gestalt der Erde im sprachlichen Bild zu erfassen. Es gibt also keinen Grund, dem Mittelalter die Erdscheibentheorie zuzuweisen und es stellt sich zum Schluss heraus, dass diese ein wissenschaftsgeschichtlicher Mythos ist, der in der Neuzeit gebildet wurde, um die Überlegenheit der eigenen Zeit gegenüber dem ,finsteren' und ,dunklen' Mittelalter zu behaupten.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort: Kein Freispruch für die katholische Kirche
Zur Einleitung: Erdkugel und astronomische Navigation im Mittelalter?

I. Der Wanderer am Rande der Erdscheibe. Ein mittelalterlicher Holzschnitt oder ein graphischer Mythos?
II. Die Kugelgestalt der Erde und die globale Konzeption des Erdraumes im Mittelalter - Ein Versuch über die Archäologie der Globalisierung
III. Eierspeisen, Gastrologie und Kosmologie: Speisemetaphern, kosmologische Modelle und Welterkenntnis bei Petronius Arbiter und Martianus Capella
IV. Ei, Apfel, Hand und menschlicher Körper: Analogien im kosmologischen Denken des Mittelalters
V. Siegfried als Seefahrer: Konjekturen zum impliziten Raumbegriff des Nibelungenliedes
VI. Sterne, Senkblei & Seemarken: Die astronomische Navigation im europäischen Mittelalter
VII. Die Ebstorfer Weltkarte zwischen mappa mundi und globus terrae, oder: die rationalen Grundlagen mittelalterlicher Weltkarten
VIII. Kosmologisches Wissen, das Konzept des Universums und die Kugelgestalt der Erde bei Ramon Llull (*1232; +1316)

Literaturverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Nachweis der Erstveröffentlichungen
Details
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Geisteswissenschaften, Geschichte, Kunst, Musik
Jahrhundert: Mittelalter
Rubrik: Geisteswissenschaften
Medium: Taschenbuch
Reihe: Archäologie der Globalisierung und der Globalität, Bd. 1
Inhalt: 298 S.
ISBN-13: 9783896935854
ISBN-10: 3896935852
Sprache: Deutsch
Einband: Kartoniert / Broschiert
Autor: Krüger, Reinhard
Auflage: 1. Auflage
Hersteller: Weidler
Weidler bei Frank & Timme
Archäologie der Globalisierung und der Globalität, Bd. 1
Verantwortliche Person für die EU: BoD - Books on Demand, In de Tarpen 42, D-22848 Norderstedt, info@bod.de
Maße: 210 x 148 x 19 mm
Von/Mit: Reinhard Krüger
Erscheinungsdatum: 28.09.2012
Gewicht: 0,435 kg
Artikel-ID: 135460482

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