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Beschreibung
"Wir neigen dazu, im Nationalsozialismus das letzte Kapitel des Sozialdarwinismus zu sehen, und verlieren dadurch die neueste Ausprägung aus den Augen. Es ist jedoch nicht allzu schwer, den Neoliberalismus als eine solche anzusehen." (Paul Verhaege, Psychoanalytiker). Das Erkennen des Charakters des Neoliberalismus fällt aber andererseits so schwer, weil der Neoliberalismus mittlerweile die Gesellschaft und die Individuen so umfassend und tief kolonisiert hat und uns deshalb als so normal erscheint, dass er fast schon als "ideologiefreie Ideologie" durchgehen kann. Die im Zuge der Neoliberalisierung von Gesellschaft und Individuen vonstatten gegangene Verdrängung des positiven Bezogenseins auf den Mitmenschen bedeutet dabei keineswegs, dass die Gefühle ihre Wirkmächtigkeit eingebüßt hätten: Die Gefühle, die sich als Empathie, Glück und Vertrauen verabschieden mussten, kehren als Gier, Gewalt und Angst zurück. Einer Gesellschaft, die es schafft, sich im heutigen Maße zu entsolidarisieren, könnte aber eine Entsolidarisierung mit dem eigenen Selbst vorausgehen. Letzteres ist allerdings ebenfalls schwer erkennbar, da die offenkundige Egozentrierung sie verdeckt. "Ein aufklärendes Potential dürfte allein schon in der Fragestellung liegen, wie man so wurde. Denn es gehört zu dem unheilvollen Bewußtseins- und Unbewußtseinszustand, daß man sein So-Sein - daß man so ist und nicht anders ist - fälschlich für Natur, für ein unabänderlich Gegebenes hält und nicht für ein Gewordenes." (Theodor W. Adorno)
Bleibt noch zu betonen, dass - entgegen einer zu oberflächlichen Wahrnehmung unserer Gegenwart - die Hegemonie des Neoliberalismus keineswegs gebrochen ist. "Geändert hat sich unter den Bedingungen der Polykrise allerdings die Tonlage: Statt aufgedrehter Freiheitsversprechen und penetranter Aktivierungsrhetorik dominieren Bedrohungsszenarien, Abstiegsängste und autoritäres Racketdenken." (Ulrich Bröckling et al.)
"Wir neigen dazu, im Nationalsozialismus das letzte Kapitel des Sozialdarwinismus zu sehen, und verlieren dadurch die neueste Ausprägung aus den Augen. Es ist jedoch nicht allzu schwer, den Neoliberalismus als eine solche anzusehen." (Paul Verhaege, Psychoanalytiker). Das Erkennen des Charakters des Neoliberalismus fällt aber andererseits so schwer, weil der Neoliberalismus mittlerweile die Gesellschaft und die Individuen so umfassend und tief kolonisiert hat und uns deshalb als so normal erscheint, dass er fast schon als "ideologiefreie Ideologie" durchgehen kann. Die im Zuge der Neoliberalisierung von Gesellschaft und Individuen vonstatten gegangene Verdrängung des positiven Bezogenseins auf den Mitmenschen bedeutet dabei keineswegs, dass die Gefühle ihre Wirkmächtigkeit eingebüßt hätten: Die Gefühle, die sich als Empathie, Glück und Vertrauen verabschieden mussten, kehren als Gier, Gewalt und Angst zurück. Einer Gesellschaft, die es schafft, sich im heutigen Maße zu entsolidarisieren, könnte aber eine Entsolidarisierung mit dem eigenen Selbst vorausgehen. Letzteres ist allerdings ebenfalls schwer erkennbar, da die offenkundige Egozentrierung sie verdeckt. "Ein aufklärendes Potential dürfte allein schon in der Fragestellung liegen, wie man so wurde. Denn es gehört zu dem unheilvollen Bewußtseins- und Unbewußtseinszustand, daß man sein So-Sein - daß man so ist und nicht anders ist - fälschlich für Natur, für ein unabänderlich Gegebenes hält und nicht für ein Gewordenes." (Theodor W. Adorno)
Bleibt noch zu betonen, dass - entgegen einer zu oberflächlichen Wahrnehmung unserer Gegenwart - die Hegemonie des Neoliberalismus keineswegs gebrochen ist. "Geändert hat sich unter den Bedingungen der Polykrise allerdings die Tonlage: Statt aufgedrehter Freiheitsversprechen und penetranter Aktivierungsrhetorik dominieren Bedrohungsszenarien, Abstiegsängste und autoritäres Racketdenken." (Ulrich Bröckling et al.)
Über den Autor
Uli Gierschner ist Oberstudienrat im (Un-)Ruhestand und unterrichtete die Fächer Geschichte, Politik, Wirtschaft, Psychologie und ev. Religion. Er ist Mitbegründer von attac Schwäbisch Hall und engagierte sich auf internationaler Ebene im Widerstand gegen die geplante neoliberale EU-Verfassung. Während der Pandemie veröffentlichte er auf den "NachDenkSeiten" von Albrecht Müller und Wolfgang Lieb eine Streitschrift für eine humane Schule ("Digitalisierung first - nachdenken später?").
Details
Erscheinungsjahr: 2026
Fachbereich: Angewandte Psychologie
Genre: Geisteswissenschaften, Kunst, Musik, Psychologie
Rubrik: Geisteswissenschaften
Medium: Taschenbuch
Reihe: Ein Jenseits der Verblendung? Eine Geschichte des Wahnsinns der Normalität
Inhalt: 594 S.
ISBN-13: 9783695717668
ISBN-10: 3695717661
Sprache: Deutsch
Einband: Kartoniert / Broschiert
Autor: Gierschner, Uli
Auflage: 1. Auflage
Hersteller: Books on Demand GmbH
BoD - Books on Demand
Ein Jenseits der Verblendung? Eine Geschichte des Wahnsinns der Normalität
Verantwortliche Person für die EU: Books on Demand GmbH, Überseering 33, D-22297 Hamburg, bod@bod.de
Maße: 210 x 148 x 37 mm
Von/Mit: Uli Gierschner
Erscheinungsdatum: 25.03.2026
Gewicht: 0,85 kg
Artikel-ID: 134880470

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